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Der letzte Naunhofer Hausname – WEIMAR -

Naunhof, den 27. 11. 2020

Es ist schon lange Zeit her, da war es üblich, besonders schönen Häusern einen Namen zu geben. Auch in Naunhof beginnt mit dem Bau der Häuser in „Neu-Naunhof“ um 1900 diese für uns heute nostalgisch anmutende Form, die mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges sein Ende fand.

 

Im sogenannten Jubiläumsheft des Verkehrs- und Verschönerungs-Vereins Naunhof finden sich immerhin 50 Gebäude im „Straßen- und Hausnamenverzeichnis“. An letzter Position befindet sich „Haus Weimar“ in der Waldstraße 20. Es ist nicht nur Schlusslicht in der Aufzählung, sondern es ist auch das letzte Haus in Naunhof, das einen eigenen Namen bekam.

 

In dieses neugebaute Haus, welches durch die schöne Dachform im Landhausstil der 20er Jahre auffällt, konnte 1929 der in Naunhof seit 1918 lebende Schriftsteller Fritz Georg Dietrich einziehen. Zuvor lebte er in einem Haus in der Wurzener Str. 53.

 

Wer aber war Fritz Georg Dietrich? In der Mai-Ausgabe der Naunhofer Nachrichten von 1992 begann der ehemalige Ortschronist Helmut Schumann mit der Serie: „Naunhofer von A bis Z“. Damals war es der Wunsch der Redaktion, Männer und Frauen vorzustellen, die sich in Naunhof besonders profiliert haben und es damit verdienten, in den Naunhofer Nachrichten besonders hervorgehoben zu werden. Nach dem Buchstaben „A“, wie Ernst Adolf Arnold, der in Naunhof in den 20er Jahren eine international bekannte Rauchwarenfabrik führte, folgte dann schon im August der Buchstabe „D“, wie Fritz Georg Dietrich. Als Zeitzeuge schrieb Schumann: „Wenn ich als Kind in den dreißiger Jahren meinen Großvater im Bahnwärterhaus an der Waldstraße besuchte, fiel mir manchmal der ältere, blinde Herr auf, der in einem Rollstuhl gefahren wurde. Es war der Dichter und Schriftsteller F. G. Dietrich, der in dem 1928/29 erbauten Haus Waldstraße 20 wohnte. Oben am Giebel trug es den Namen „Weimar“.

 

Im weiteren Text wird ausführlich über das Leben Dietrichs berichtet. So werden auch die eigenen Lebenserinnerungen widergegeben, die schon in den zwanziger Jahren im „Naunhofer Heimatblatt“, einer Monatsbeilage der „Naunhofer Nachrichten“, erschienen. Einen Eindruck seines Schaffens und seines Engagements für Naunhof erhält man auch in der aktuellen Ausgabe der Naunhofer Nachrichten.

 

Warum das Haus in der Waldstraße 20 den Namen „Weimar“ bekam, ist nicht überliefert. Es liegt aber nahe, da ein Schauspiel Dietrichs mit dem Namen „Der Kuckuck“, aufgeführt im Großherzoglichen Hoftheater zu Weimar am 10.10.1918, als Namengeber diente. Leider sind bei der letzten Renovierung des Hauses die Holzbuchstaben des Namens nicht wieder erneuert worden.

 

Dem Engagement des Ortschronisten Mathias Bräuer ist die Idee zu verdanken, anlässlich des 150. Geburtstages eine Gedenktafel zu Ehren des Naunhofer Kunst- und Kulturschaffenden Fritz Georg Dietrich am Haus Weimar anzubringen. Ein Dank gilt den Hauseigentümern Steffen und Waltraud Gurczinski, die diese Idee von Anfang an unterstützten und die Installation der Tafel an der Fassade sowie eine kleine Feierstunde zur Enthüllung ermöglichten. Ein Dank gilt auch Marie Klöthe und Bernd Kupfer, die mit Flöte und Gesang der Veranstaltung einen würdigen Rahmen boten.

 

Um mehr über das Leben von Dietrich zu erfahren, gibt es die Möglichkeit, im Archiv der Ortschronisten zu recherchieren. Herr Klöthe freut sich unter Tel. 034293 42180 über interessierte Anrufer.

 

 

 

Foto: Bei der Enthüllung der Gedenktafel in der Waldstraße 20