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Im Auftrag des Nicht-Vergessens

Stolperstein in Naunhof75 Jahre nachdem er als Nummer 38887 in Ausch- witz starb, bekommt der Mann seinen Namen zurück: „In Naunhof wohnte Max Moses Ratner.“ So ist es in den Messingbeschlag auf dem Pflasterstein graviert. „JG 1913, Flucht Frankreich, Interniert Compiègne, De- portiert 1942 Auschwitz, Ermordet 28.7.1942“. Und mit ihm auch Mosey Witensohn, „JG. 1901, Eingewiesen 17.7.1933, Dauerheim für jüdische Schwachsinnige, Berlin-Weissensee, Deportiert 1942, Ghetto Warschau, Ermordet“.

Am 20. Juni 2018 war der Künstler Gunter Demnig zum zweiten Mal mit seinem roten Transporter in Naunhof zu Gast. Nachdem am 29. Mai vergangenen Jahres der erste Stolperstein für Frau Marie Mindel Naundorf in der Bahnhofstraße 10 verlegt worden ist, fand jetzt an einem frühsommerlichen Mittwoch die Verlegung zwei weiterer Stolpersteine statt – für Herrn Max Moses Ratner und Herrn Mosey Witensohn. Bei den Stolpersteinen handelt

es sich um 10x10 cm große Betonsteine, welche jeweils über eine individuell beschriftete Messingplatte an der Oberseite verfügen. Die Inschrift beinhaltet eine kurze Biografie des jeweiligen Opfers sowie dessen Geburts- und Todesdaten. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer in das Pflaster bzw. den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen. Die Idee hinter dem seit 1992 bestehenden Projekt besteht darin, den Passanten, durch symbolisches „Stolpern“ über die verlegten Steine, die NS Gräueltaten an Juden, Homosexuellen, Behinderten, politisch Verfolgten, Zeugen Jehovas sowie Sinti und Roma in Erinnerung zu rufen. Wie bereits im vergangenen Jahr beteiligte sich das Freie Gymnasium Naunhof auch im Schuljahr 2017/18 an dem Stolpersteinprojekt Gunter Demnigs. So recherchierten die Schüler und Schülerinnen des Grundkurses Geschichte in Zusammenarbeit mit dem Erich-Zeigner-Haus e.V., um die Biografien der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Naunhof rekonstruieren zu können. Ziel war es, den verfolgten Juden Moses Ratner und Mosey Witensohn durch die Verlegung der Steine ihre Identität zurückzugeben. Die Platzierung der Stolpersteine findet normalerweise vor dem letzten, vom

Opfer frei gewählten Wohnort statt. In diesen beiden Fällen konnte dieser allerdings trotz umfangreicher Recherchen nicht ausfindig gemacht werden. Als Herz der Stadt Naunhof, an welchem sich tagtäglich Menschen begegnen und ins Gespräch kommen, erscheint der Markt vor dem Rathaus als ein geeigneter Verlegungsort.

Diese drei Stolpersteine verbinden Naunhof mit Köln, Aachen oder Borna, mit Belgien, Dänemark, Spanien oder Argentinien – insgesamt rund 69.000 Stolpersteine hat Gunter Demnig bereits in 23 Ländern verlegt und weitere werden folgen, denn:

 

"Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt."

[ehem. Bundespräsident Roman Herzog, 27. Januar 1996]


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